Jamie xx hat am Donnerstagabend im New Yorker Kunstzentrum The Shed eine Live-Partitur zu Doug Aitkens Installation Lightscape gespielt. Die Performance fand beim jährlichen, nur auf Einladung zugänglichen Gala-Abend des Hauses statt – wenige Tage nachdem die reguläre öffentliche Laufzeit der Installation beendet worden war.

Aitkens Arbeit ist ein 65-minütiges, auf sieben Leinwänden angelegtes Filmwerk. Die Bilder führen durch unterschiedliche amerikanische Landschaften und Räume: Wüsten, Berge, Fabriken, Straßen und urbane Zonen. Darin tauchen unter anderem Natasha Lyonne, Beck sowie Mitglieder des Los Angeles Dance Project auf. Jamie xx spielte dazu eine eigens für den Abend entwickelte Live-Begleitung.

Elektronische Musik im Ausstellungsraum

Für Jamie xx ist der Schritt aus dem Club- und Konzertkontext in einen Kunstbau kein Fremdkörper. Schon seine Produktionen arbeiten stark mit Raum, Wiederholung und dem Verhältnis zwischen klaren Hooks und fragmentierten Texturen. In einem Mehrkanal-Setting wie Lightscape verschiebt sich diese Arbeitsweise allerdings: Die Musik muss nicht nur einen Dancefloor oder eine Bühne tragen, sondern auf Bilder reagieren, deren Tempo und Dramaturgie bereits gesetzt sind.

Die Darla Moore Gallery im The Shed war der Schauplatz von <em>Lightscape</em>.
Die Darla Moore Gallery im The Shed war der Schauplatz von <em>Lightscape</em>.

Der Bericht über den Abend beschreibt die Performance als unmittelbare Verbindung von Bild und Klang. Entscheidend ist dabei, dass Jamie xx nicht einfach ein bestehendes DJ-Set über die Installation legte. Die Musik wurde live zu den laufenden Bildern gespielt und machte aus einer bereits abgeschlossenen Ausstellung noch einmal eine eigenständige Aufführung.

Doug Aitken arbeitet seit Jahren mit Sound als räumlichem Material

Aitkens Werk bewegt sich seit Langem zwischen Film, Architektur, Installation und Musik. Projekte wie Sleepwalkers oder der Sonic Pavilion behandeln Klang nicht als Begleitmaterial, sondern als Teil der räumlichen Wahrnehmung. Lightscape setzt diese Linie fort: mehrere simultane Projektionen, Figuren, die sich selten direkt begegnen, und eine Struktur, die Isolation und Entkopplung in der Gegenwart untersucht.

Doug Aitken verbindet in seinen Arbeiten regelmäßig Film, Installation, Architektur und Klang.
Doug Aitken verbindet in seinen Arbeiten regelmäßig Film, Installation, Architektur und Klang.

Gerade deshalb funktioniert die Beteiligung eines Produzenten wie Jamie xx nicht bloß als prominenter Zusatz für einen Gala-Abend. Seine Musik lebt ebenfalls von Übergängen zwischen öffentlichem Raum und Intimität: euphorische Clubmomente stehen neben stark reduzierten Passagen, Samples erscheinen oft wie Erinnerungsfragmente und nicht wie reine Effektbausteine.

Eine einmalige Aufführung – bislang ohne angekündigte Veröffentlichung

Nach aktuellem Stand ist keine Veröffentlichung der Live-Partitur angekündigt. Auch eine weitere Aufführung wurde nicht bestätigt. Die Performance bleibt damit zunächst an diesen einen Abend gebunden.

Für elektronische Musik ist genau diese Einmaligkeit interessant. Während DJ-Sets und Live-Shows heute fast automatisch dokumentiert, gestreamt oder in kurzen Clips weiterverwertet werden, entstand hier ein Werk für einen konkreten Raum und ein bereits existierendes visuelles System. Das setzt andere Bedingungen als ein Festivalset oder eine Tourproduktion.

  • Performance: Jamie xx live zu Doug Aitkens Lightscape
  • Datum: 17. September 2026
  • Ort: The Shed, New York
  • Installation: sieben Leinwände, rund 65 Minuten
  • Status: bislang keine offizielle Veröffentlichung der Live-Partitur angekündigt

Der Abend zeigt vor allem, wie selbstverständlich elektronische Produktion inzwischen in institutionelle Kunstkontexte hineinragt, ohne ihre eigene Sprache ablegen zu müssen. Bei Lightscape wurde Jamie xx nicht als DJ gebucht, sondern als Musiker, der auf eine bestehende visuelle Arbeit reagiert – und genau darin liegt der Unterschied.

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