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Novation Launch Control XL 3: DAW-Mixing wird wieder haptisch

Launch Control XL 3 ist ein Gegenentwurf zum Produzieren mit Trackpad und Bildschirm. Acht lange Fader, 24 Encoder und 16 zuweisbare Tasten schaffen genügend physische Kontrolle für Mixer, Sends, Devices und externe MIDI-Hardware,…

8.8/10

Viele MIDI-Controller versprechen weniger Mausarbeit und ersetzen sie dann durch kleine Encoder, verschachtelte Shift-Ebenen und unklare Zuordnungen. Launch Control XL 3 verfolgt einen direkteren Ansatz. Die Oberfläche besteht aus acht 60-mm-Fadern, 24 Endlos-Encodern und 16 frei belegbaren Tasten. Schon die Verteilung macht klar, dass es um kontinuierliche Kontrolle über mehrere Kanäle geht und nicht um eine zweite Klaviatur.

Für Mixer-Arbeit sind die acht Fader der zentrale Punkt. Lautstärken lassen sich gleichzeitig sehen und greifen, während die drei Encoder-Reihen darüber für Sends, Panorama, Filter oder Device-Parameter genutzt werden können. In elektronischen Sessions mit vielen Gruppen und Return-Kanälen ist das oft schneller als das ständige Wechseln zwischen Bildschirmansichten.

Die Encoder sind endlos ausgeführt, was bei wechselnden Mappings wichtig ist. Ein fester Potentiometerstand passt sonst selten zum aktuellen Softwarewert. Zusammen mit dem OLED-Display wird die Oberfläche dadurch besser lesbar, wenn zwischen Devices oder Custom Modes gewechselt wird. Bis zu 15 eigene Modi können gespeichert werden, sodass der Controller nicht auf eine feste Mixerbelegung reduziert bleibt.

Novation unterstützt Ableton Live, Logic Pro, FL Studio, Cubase und Bitwig mit erweiterten Integrationen; Mackie HUI erweitert die Kompatibilität zusätzlich. Die Stärke liegt nicht darin, jede DAW exakt gleich zu bedienen, sondern die Hardware als dauerhaftes Bedienfeld im Projekt zu halten. Gerade Ableton-Nutzer können Mixer- und Device-Funktionen eng an die Oberfläche binden.

Neu wichtig ist die Hardware-Seite. MIDI In, Out und ein zweiter Out/Thru ermöglichen den Betrieb mit Synthesizern, Drum Machines oder anderen MIDI-Geräten. Launch Control XL 3 kann damit auch ohne Computer als Steuerzentrale dienen. Für hybride Live-Sets ist das erheblich interessanter als ein Controller, der ausschließlich per USB mit einer DAW spricht.

Motorfader gibt es nicht. Wer zwischen Projekten wechselt, bekommt deshalb keine automatisch nachfahrenden Faderpositionen. Auch das OLED ist eher Informationshilfe als umfassender Bildschirm. Novation setzt bewusst auf physische Direktheit statt visuelle Vollständigkeit.

Der Hersteller nennt außerdem ein Gehäuse mit hohem Anteil recycelter Materialien. Zum Softwarepaket gehören je nach aktuellem Bundle Ableton Live Lite, Cubase LE und zusätzliche Plugins. Wichtiger bleibt aber die Hardware selbst: Launch Control XL 3 lohnt sich dort, wo acht Kanäle und viele Parameter regelmäßig parallel bewegt werden.

Mit 229,99 US-Dollar liegt der Controller in einem Bereich, in dem reine MIDI-Fernsteuerung nicht mehr automatisch günstig wirkt. Seine Rechtfertigung ist die Kombination aus vielen echten Bedienelementen, DAW-Integration und Standalone-MIDI. Für Produzenten, die Mixing und Performance wieder stärker über Muskelgedächtnis organisieren möchten, ist das ein nachvollziehbarer Ansatz.

Unabhängige redaktionelle AT-DJ-Bewertung auf Basis verifizierter Herstellerangaben, Dokumentation und aktueller Produktinformationen. Es besteht keine bezahlte Kooperation mit dem Hersteller.