Dave Angel veröffentlicht am 18. September 2026 mit A Time And Place ein neues Album auf R&S Records. Jazz, Soul, Improvisation und familiäre Erinnerung rücken dabei näher an seine Techno-Sprache heran. Als nostalgische Rückkehr zu den frühen Neunzigern ist das Projekt jedoch nicht angelegt, obwohl die Verbindung zum belgischen Label bis 1991 zurückreicht. Die erste Single Réflexion mit dem Trompeter Steve Waterman macht deutlich, dass es Angel um eine offene, persönliche Form elektronischer Musik geht.

Eine Verbindung aus der Zeit vor festen Genregrenzen

Mit 1st Voyage begann 1991 die Zusammenarbeit zwischen Angel und R&S. Damals war europäischer Techno noch kein eng vermessenes Feld. Das Label brachte Rave-Energie, Futurismus, Melodie und Studiotechnik zusammen; Angel ergänzte diesen Kosmos mit Swing, räumlicher Tiefe und einer besonderen Aufmerksamkeit für Klangfarben. Deshalb wirkt die neue Begegnung weniger wie ein Jubiläumsprojekt als wie die Fortsetzung eines Gesprächs, das lange offen geblieben ist.

Angels stärkste Produktionen lebten nie allein vom Druck. Selbst in seinen funktionalsten Tracks bleibt Platz zwischen Kick, Bass und Percussion. Diese Luft ist ein wesentlicher Grund dafür, dass sein Katalog vergleichsweise gut gealtert ist. Die Musik hängt nicht an einem bestimmten Drumset oder an einem kurzlebigen Produktionsstil. Entscheidend ist, wie Spannung aufgebaut, verschoben und wieder freigegeben wird.

‘Réflexion’ öffnet das Album über den Jazz

Watermans Trompete dient in Réflexion nicht als dekoratives Zeichen von Anspruch. Angel entdeckte sein Spiel über Paul Hazels Album Out Of This World und sprach ihn später nach einem Konzert an. Diese Entstehungsgeschichte ist wichtig, weil die Zusammenarbeit aus echter musikalischer Neugier hervorgeht. Die Trompete liegt nicht einfach über dem Track; sie verändert dessen Balance und gibt der Elektronik Atem, Verletzlichkeit und Dialog.

Auch Robert Owens, der Gitarrist Merv Carswell und Aurii Sky sind an dem Album beteiligt. Ihre Beiträge sollen offenbar keine austauschbaren Features sein, sondern das Material von innen heraus prägen. Damit steht das Projekt in einer britischen Tradition, in der Maschinen nicht als Gegenpol zum Menschlichen verstanden werden. Clubmusik kann präzise sein und trotzdem Spuren von Begegnung, Improvisation und Körperlichkeit tragen.

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Familiengeschichte und Rave-Erfahrung im selben Raum

Angel wuchs in einem Umfeld auf, in dem Musiker, Live-Auftritte und Jazz selbstverständlich waren. Diese Einflüsse tauchen nun nicht plötzlich im Spätwerk auf; sie bilden einen Teil des Fundaments, aus dem sich seine elektronische Sprache entwickelt hat. A Time And Place verbindet diesen Hintergrund mit Erinnerungen an Rave-Kultur, Gemeinschaft, Natur und jahrzehntelanger Studioarbeit. Die erste Single deutet an, dass Angel diese Themen nicht übererklärt, sondern über Harmonie, Textur und Tempo vermittelt.

Gerade bei einem Produzenten mit langer Karriere ist das interessanter als eine weitere Demonstration technischer Routine. Angel muss niemandem mehr beweisen, dass er wirksamen Techno produzieren kann. Spannender ist, wie Erfahrung in Form überführt wird, ohne dass die eigene Vergangenheit zum Museum wird. Das Album scheint genau an diesem Punkt anzusetzen.

Ein reifes Album ohne Abschiedsgeste

Reife wird bei elektronischer Musik gern mit nachlassender Schärfe verwechselt. Hier meint sie Auswahl, Geduld und die Sicherheit, Raum zu lassen. A Time And Place klingt in seiner Anlage nicht nach Schlussstrich. Der Titel spricht von Momenten und Orten, nicht von Endgültigkeit. Angel und R&S treffen sich erneut, weil beide zurückblicken können, ohne dort stehen zu bleiben. Am 18. September erscheint das vollständige Album; Réflexion liefert bereits jetzt einen überzeugenden Einstieg in eine Arbeit, in der Techno, Jazz und gelebte Erfahrung denselben Raum teilen.

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