Am 18. und 19. September wird Rom erneut zum Treffpunkt für modulare Synthesizer, Desktop-Instrumente und professionelle Audiotechnik. Roma Modulare 2026 zieht dafür in das L’Opificio Italiacamp im Stadtteil Marconi. Auf 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche treffen Hersteller, Entwicklerinnen, Musiker, Sounddesigner und neugierige Einsteiger aufeinander. Dazu kommen mehr als 15 Workshops, Präsentationen und über 20 Stunden Live-Musik.
Eine Messe, bei der Anfassen zum Konzept gehört
Der Reiz solcher Treffen liegt nicht allein in neuen Produkten. Modularsysteme erschließen sich nur begrenzt über Datenblätter und kurze Videos. Wie sich ein Regler anfühlt, wie schnell ein Patch reagiert und ob ein Instrument im eigenen Workflow Sinn ergibt, zeigt sich erst im direkten Umgang. Roma Modulare setzt deshalb auf eine offene Expo-Fläche, auf der Geräte ausprobiert und Fragen unmittelbar mit den Menschen hinter den Marken besprochen werden können.
Das ist besonders für kleinere Hersteller wichtig. Im Eurorack- und Boutique-Bereich entstehen viele Ideen in winzigen Teams, oft außerhalb der großen Vertriebsstrukturen. Eine Messe schafft Sichtbarkeit, aber auch Feedback. Entwickler hören dort nicht nur Lob, sondern erfahren, welche Menüs stören, welche Anschlüsse fehlen und welche Funktionen im Studioalltag tatsächlich gebraucht werden.
Workshops zwischen PolyBrute, Ableton und neuen Analogideen
Das veröffentlichte Programm verbindet Grundlagen mit sehr konkreten Einblicken. Am Freitag wird unter anderem der Korg Phase8 vorgestellt. Weitere Sessions beschäftigen sich mit Sounddesign, neuen Syntheseverfahren und Instrumenten, die klassische Analogtechnik mit Speicherbarkeit und moderner Steuerung verbinden.
Am Samstag geht es unter anderem um Sampling und Netzwerk-Workflows in Ableton Live 12.4 sowie um analoges Sounddesign mit dem Arturia PolyBrute 12. Solche Themen zeigen, wie weit die modulare Szene inzwischen über das Bild endloser Kabelwände hinausgeht. Hardware und Software werden nicht als Gegner behandelt, sondern als Werkzeuge, die sich je nach Aufgabe ergänzen.

Total Recall und die Frage nach dem speicherbaren Patch
Besonders interessant ist die Präsentation des Adamsynths Warthog, der als analoger modularer Synthesizer mit umfassender Speicherfunktion vorgestellt wird. Die Idee berührt einen alten Konflikt der Modularwelt: Ein Patch ist oft einzigartig, aber nur schwer exakt reproduzierbar. Für Studioarbeit kann diese Vergänglichkeit inspirierend sein; auf Tour wird sie schnell zum Problem.
Speicherbare Reglerpositionen und reproduzierbare Verbindungen könnten Live-Acts entlasten, ohne den offenen Charakter eines modularen Systems vollständig aufzugeben. Entscheidend wird sein, wie transparent die Technik bleibt. Ein Instrument darf Komfort bieten, sollte aber nicht das Gefühl erzeugen, dass der eigentliche Signalweg hinter Software verschwindet.
Live-Sets machen aus Technik wieder Musik
Roma Modulare endet nicht mit dem Schließen der Ausstellerhalle. An beiden Tagen laufen Konzerte und Performances bis kurz vor Mitternacht. Das ist mehr als ein nettes Abendprogramm. Eine Synthesizer-Messe kann schnell in Produktfetisch kippen, wenn nur über Features, Preise und Neuheiten gesprochen wird. Live-Sets erinnern daran, dass die Geräte Mittel zum Zweck sind.
Gerade modulare Performances können sehr unterschiedlich ausfallen: präzise komponiert, improvisiert, ambient, rhythmisch, noisig oder fast ohne erkennbare Wiederholung. Diese Vielfalt ist wertvoll, weil sie Einsteigern zeigt, dass es keinen vorgeschriebenen Modularsound gibt. Das System ist kein Genre. Es ist eine Methode, Klang zu organisieren.
Rom als Gegenpol zu den großen Technikmessen
Mit Veranstaltungen wie Superbooth oder NAMM kann Roma Modulare weder bei Fläche noch bei internationaler Medienmaschinerie konkurrieren. Genau darin liegt eine Stärke. Kleinere Messen ermöglichen längere Gespräche, weniger hektische Produktwechsel und eine stärkere lokale Verankerung. Italien verfügt über eine aktive Szene aus Instrumentenbau, elektronischer Komposition und experimenteller Performance, die hier nicht nur als Randprogramm auftaucht.
Der Veranstaltungsort unterstützt diesen Ansatz. Das ehemalige Industrieareal wurde zu einem Kultur- und Bildungsort umgebaut. Zwischen historischer Architektur und neuer Technik entsteht ein passender Rahmen für eine Szene, die ständig ältere Schaltungen, neue digitale Steuerungen und persönliche Arbeitsweisen miteinander verbindet.
Für wen sich der Besuch lohnt
Roma Modulare richtet sich nicht nur an Menschen mit voll bestücktem Eurorack. Produzenten, Live-Acts, Studierende, Klangkünstlerinnen und neugierige DJs können hier ausprobieren, wie Hardware den eigenen Prozess verändert. Wer bereits ein System besitzt, findet neue Module und technische Gespräche. Wer noch am Anfang steht, kann vor einem teuren Kauf erleben, ob Kabel, Signalfluss und direkte Kontrolle wirklich zur eigenen Art zu arbeiten passen.
Die Ausgabe 2026 wirkt deshalb weniger wie eine reine Produktschau als wie ein zweitägiges Labor. Der wichtigste Eindruck dürfte nicht von einem einzelnen Synthesizer kommen, sondern vom Austausch zwischen Menschen, die Klang unterschiedlich denken. In einer Zeit, in der nahezu jedes Gerät online erklärt und verkauft wird, bleibt genau dieser direkte Kontakt der überzeugendste Grund für eine Messe.









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